Frank Freiberger · Sachbuch
Trinkst du mehr, als du eigentlich willst?
Die Sinclair-Methode – wie ein medikamentengestützter Ansatz dabei helfen kann, weniger zu trinken oder ganz aufzuhören.
„Die Methode hat mir meine Würde zurückgegeben. Ich war nicht charakterschwach – ich war krank."Anja L. · Betroffene
„Die Sucht ist ein Monster. Du kannst die disziplinierteste Person der Welt sein – wenn es dich erwischt, hat es dich."Claudia Christian · Schauspielerin
Worum es geht
Kennst du das ungute Gefühl, wenn du öfter zum Glas greifst, als es dir guttut? Damit bist du nicht allein. Auch ich trank in einer Phase meines Lebens, während der Corona-Pandemie, plötzlich zu viel. Ich wollte meinen Umgang mit Alkohol wieder in den Griff bekommen – aber nicht den Rest meines Lebens auf ein Glas Wein verzichten. Vor allem wollte ich wieder selbst bestimmen, ob ich etwas trinke.
Doch wie sollte mir das gelingen? Im deutschsprachigen Raum gilt konsequente Abstinenz nach wie vor als Goldstandard der Behandlung. Allerdings werden viele Betroffene leider irgendwann rückfällig, weil das Verlangen nach Alkohol zu stark wird.
Auf der Suche nach einem anderen Weg stieß ich auf die Sinclair-Methode: ein Ansatz, der auf jahrzehntelanger Forschung zum Lernverhalten beim Alkoholkonsum basiert. Das schafft den Raum, um ungesunde Gewohnheiten durch gesündere zu ersetzen. Die Methode wird in den USA seit 1984 angewendet und ist Gegenstand zahlreicher Studien. Hierzulande liest man zwar ab und zu von der „Tablette gegen Alkohol“, die Therapie ist allerdings noch ziemlich unbekannt. Der im Buch beschriebene Ansatz allein verändert nichts von selbst, aber er kann manchen Menschen den Weg erleichtern, um eine Veränderung überhaupt nachhaltig zu schaffen.
Ohne die Sinclair-Methode wäre ich vermutlich abhängig geworden. Heute verspüre ich keinen Drang mehr zu trinken. Ich kann wieder einen Wein genießen, ohne dass daraus jedes Mal zwangsläufig mehrere werden. Das heißt keinesfalls, dass ich die Zeit zurückdrehen konnte und alles wieder wie früher ist. Ich weiß heute viel mehr darüber, wie Alkohol wirkt, und habe andere Wege gelernt, um mich zu entspannen.
Das überrascht, denn Menschen mit Alkoholproblemen wird immer gesagt, lebenslange Abstinenz sei ihr einziger Ausweg. Doch viele schreckt der Gedanke ab, nie wieder auch nur einen Schluck trinken zu dürfen.
Es gibt eine Alternative – davon handelt dieses Buch.
(Bei körperlicher Abhängigkeit kann eine medizinisch begleitete Entzugsbehandlung erforderlich sein. Ob eine ambulante oder stationäre Behandlung notwendig ist, muss ärztlich beurteilt werden.)
Hintergrund
* Rückfälle kommen bei Alkoholabhängigkeit häufig vor. Wie hoch das Rückfallrisiko ist, hängt unter anderem von der Schwere der Erkrankung, der Behandlung, der psychosozialen Unterstützung und dem Beobachtungszeitraum ab.
Die Dunkelziffer liegt hoch, denn aus Scham und Angst vor Stigmatisierung trinken viele Betroffene heimlich und tauchen in keiner Statistik auf.
Bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Alkoholabhängigkeit spielen neben biologischen, psychischen und sozialen Faktoren auch Lern- und Belohnungsprozesse eine wichtige Rolle. Bestimmte Medikamente können dazu beitragen, belohnende Effekte, Verlangen und Rückfallrisiken zu beeinflussen. Dazu ist es nicht nötig, von einem auf den anderen Tag ganz auf Alkohol zu verzichten. Die Behandlung kann bei geeigneten Patienten ambulant erfolgen. Naltrexon kann Nebenwirkungen verursachen und ist nicht für jeden Menschen geeignet. Vor Beginn müssen insbesondere mögliche Opioideinnahmen sowie Leber- und Nierenfunktion ärztlich geprüft werden.
Das Prinzip
Die Sinclair-Methode setzt genau hier an: Was erlernt wurde, lässt sich auch wieder verlernen – mit einem Medikament, das den Lerneffekt gezielt umkehrt. Kein Entzug, kein Klinikaufenthalt.
Die Methode koppelt die Anwendung gezielt an Trinksituationen.
Der Wirkstoff kann bei erfolgreicher Anwendung den Belohnungsmechanismus von Alkohol im Gehirn unterbrechen. Mit jeder Wiederholung schwächt sich die erlernte Verknüpfung ab.
Bei vielen Patienten nehmen Verlangen und Alkoholkonsum im Verlauf der Behandlung ab. Wie stark und wie schnell sich eine Veränderung zeigt, ist individuell unterschiedlich.
Dieses Buch beschreibt eine persönliche Erfahrung und den Stand der Forschung. Es ersetzt keine ärztliche Beratung; die Anwendung von Naltrexon gehört in ärztliche Begleitung.
»Bei keiner anderen Erkrankung würden wir auf die Idee kommen, sie erst im Endstadium zu behandeln, wenn es eigentlich schon zu spät ist.«Prof. Dr. Falk Kiefer · zitiert in der FAZ
Quelle: FAZ.net, „FDA-Ansatz: Alkoholsucht ohne Abstinenz behandeln – ein Paradigmenwechsel"
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